dentalcamp 2026, Session VI

Warum Führungswissen in der Praxis oft nicht ankommt

Auf den Punkt gebracht

Was macht eine Zahnarztpraxis langfristig erfolgreich? Sind es die richtigen Kennzahlen, ein motiviertes Team oder eine klare unternehmerische Vision? Und wie gelingt es Praxisinhaberinnen und Praxisinhabern, neben der zahnmedizinischen Tätigkeit auch ihrer Rolle als Führungskraft gerecht zu werden?

In dieser Session tauschten sich die Teilnehmenden über die unterschiedlichen Herausforderungen der Praxisführung aus. Im Mittelpunkt standen Themen wie Mitarbeiterentwicklung, Selbstführung, strategische Entscheidungen, wirtschaftliche Planung und die Positionierung der eigenen Praxis.

Dabei wurde deutlich, dass fachliche Kompetenz allein nicht ausreicht, um eine Praxis erfolgreich zu führen. Gerade bei Praxisübernahmen, Neugründungen oder wachsenden Teams müssen Zahnärztinnen und Zahnärzte zunehmend unternehmerische Entscheidungen treffen, Strukturen aufbauen und ihre eigene Führungsrolle entwickeln.

Die zentrale Erkenntnis: Erfolgreiche Praxisführung beginnt mit Klarheit über die eigenen Ziele und Werte. Denn nur wer weiß, wohin sich die Praxis entwickeln soll, kann das Team mitnehmen und fundierte Entscheidungen treffen.

Was die Runde bewegt hat

Die Diskussion zeigte, wie eng persönliche Entwicklung, Mitarbeiterführung und wirtschaftlicher Erfolg miteinander verbunden sind. Viele Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber stehen vor der Herausforderung, gleichzeitig Zahnmedizin zu betreiben, ein Unternehmen zu steuern und ein Team zu führen.

Besonders intensiv wurde darüber gesprochen, dass gute Führung weit über Aufgabenverteilung und gelegentliche Teamevents hinausgeht. Entscheidend ist, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem Mitarbeitende ihre Stärken einbringen können, klare Orientierung erhalten und sich langfristig wohlfühlen.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Umsetzung von Veränderungen. Häufig wissen Praxisverantwortliche bereits, was verbessert werden müsste. Trotzdem fällt es schwer, neue Strukturen im Alltag dauerhaft zu etablieren. Deshalb wurden individuelle Entwicklungsprozesse, klare Prioritäten und die Bedeutung regelmäßiger Reflexion diskutiert.

Auch die wirtschaftliche Perspektive spielte eine wichtige Rolle: Welche Kennzahlen sollten Praxisinhaber kennen? Wie lässt sich Liquidität vorausschauend planen? Und welche Entscheidungen gehören in die Verantwortung der Praxisleitung, während andere sinnvoll an das Team delegiert werden können?

Der gemeinsame Nenner: Eine erfolgreiche Praxis braucht nicht nur gute Zahnmedizin, sondern auch bewusste Führung, wirtschaftlichen Weitblick und eine klare Vorstellung davon, wofür sie stehen möchte.

Zentrale Themen der Diskussion:

  • Wissen allein führt nicht zur Umsetzung
  • Gute Praxisführung beginnt mit Selbstreflexion und Klarheit über die eigene Führungsrolle.
    Eine klare Vision hilft dabei, strategische Entscheidungen zu treffen und das Team zu orientieren.
  • Allgemeine Konzepte passen oft nicht zur eigenen Praxis und zum eigenen Team
  • Selbstführung und Rollenklarheit sind die Basis für Führung
  • Veränderungen gelingen eher Schritt für Schritt als alle auf einmal
  • Zu viele neue Themen in Teambesprechungen überfordern das Team
  • Strategische Entscheidungen sind Sache der Leitung, operative können im Team getroffen werden
  • Betriebswirtschaftliche Kennzahlen und eine vorausschauende Liquiditätsplanung sind wichtige Grundlagen für unternehmerische Entscheidungen.
  • Die eigene fachliche und unternehmerische Ausrichtung sollte zu einem selbst passen

Key-Takeaways

1. Erst sich selbst führen, dann andere
Wer führen will, braucht Klarheit über sich selbst: Wie möchte ich führen? Was ist meine Rolle? Was treibt mich an? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lassen sich Führungsimpulse glaubwürdig und konsequent ins Team tragen.

2. „Wofür?“ statt „Warum?“
Die Frage nach dem Wofür richtet den Blick nach vorn. Was möchte ich mit meiner Praxis erreichen, wofür will ich die nächsten Jahrzehnte stehen, welche Patient:innen und Mitarbeitenden passen dazu? Wer das weiß, kann Entscheidungen leichter treffen und Mitarbeitende besser mitnehmen.

3. Einen Schritt nach dem anderen
Der Impuls, nach einem Seminar alles gleichzeitig zu ändern, ist verständlich, überfordert aber Leitung und Team. Besser ist es, Vorhaben herunterzubrechen, Prioritäten zu setzen und mit einem konkreten ersten Schritt zu beginnen. Auch Teambesprechungen profitieren von Fokus statt ständig neuer Themen.

4. Konzepte an die eigene Praxis anpassen
Was in einem Buch oder Kurs funktioniert, muss in der eigenen Praxis nicht genauso funktionieren. Statt aufzugeben, wenn etwas nicht passt, lohnt es sich, Ansätze auf das eigene Team zuzuschneiden und dranzubleiben.

5. Nicht jede Entscheidung ist Teamsache
Mitarbeitende aktiv einzubeziehen, ist ein wichtiger Bestandteil moderner Führung. Gleichzeitig müssen bestimmte Entscheidungen bewusst bei der Praxisleitung bleiben. Dazu gehören insbesondere grundlegende Investitionen, die strategische Ausrichtung oder die Wahl zentraler Softwaresysteme. Das Team kann wertvolle Anforderungen und Erfahrungen einbringen, die wirtschaftliche Gesamtverantwortung trägt jedoch die Praxisinhaberin oder der Praxisinhaber. Eine klare Unterscheidung zwischen strategischen und operativen Entscheidungen schafft Sicherheit auf beiden Seiten.

6. Wirtschaftlicher Erfolg braucht vorausschauende Planung
Eine Zahnarztpraxis ist nicht nur ein Ort medizinischer Versorgung, sondern auch ein Unternehmen. Deshalb sollten Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber ihre wichtigsten Kennzahlen kennen und regelmäßig überprüfen. Neben Umsätzen und Kosten wurde insbesondere die Liquiditätsplanung als entscheidender Faktor diskutiert. Statt ausschließlich vergangene Ergebnisse auszuwerten, sollte der Blick stärker auf zukünftige Entwicklungen gerichtet werden. So können finanzielle Engpässe, Investitionsbedarf und wirtschaftliche Chancen frühzeitiger erkannt werden.

7. Die eigene Ausrichtung ehrlich prüfen
Nur weil man eine Fortbildung absolviert hat, muss man diesen Schwerpunkt nicht ein Leben lang verfolgen. Wer merkt, dass ein anderes Fachgebiet mehr Freude macht, darf sich danach ausrichten, auch gegen äußere Erwartungen. Hilfreich für die Umsetzung: Innerhalb von 72 Stunden nach einer Fortbildung mit einem ersten konkreten Schritt beginnen und jemanden einbeziehen, der nachfragt.

„Das Wissen ist meist längst da. Die eigentliche Arbeit ist, herauszufinden, was davon zur eigenen Praxis passt, und dann wirklich anzufangen.“