dentalcamp 2026, Session II

Die richtigen Mitarbeitenden finden: Wer passt wirklich ins Praxisteam?

Auf den Punkt gebracht

Fachkräftemangel, hohe Fluktuation und unterschiedliche Erwartungen an den Arbeitsplatz: Die Suche nach passenden Mitarbeitenden gehört zu den größten Herausforderungen in Zahnarztpraxen. Doch woran erkennt man eigentlich, ob jemand nicht nur fachlich geeignet ist, sondern auch menschlich ins Team passt?

In dieser Session tauschten sich die Teilnehmenden darüber aus, welche Rolle das Bauchgefühl bei der Personalauswahl spielt, wie Schnuppertage gestaltet werden können und warum klar definierte Praxiswerte so wichtig sind.

Dabei wurde deutlich: Fachliche Fähigkeiten lassen sich häufig erlernen, Persönlichkeit und grundlegende Einstellungen hingegen nur schwer verändern. Gleichzeitig braucht ein starkes Team unterschiedliche Charaktere, Perspektiven und Kompetenzen.

Die zentrale Frage war deshalb nicht nur, wie Praxen die richtigen Mitarbeitenden finden, sondern auch, wie sie ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem Menschen langfristig bleiben, sich weiterentwickeln und gerne zusammenarbeiten. Der gemeinsame Nenner: Gute Teams entstehen nicht beim Einstellungsgespräch allein, sondern durch Klarheit über die eigenen Werte und kontinuierliche Führungsarbeit weit über die Probezeit hinaus.

Was die Runde bewegt hat

Die Session zeigt, wie sehr der Fachkräftemangel leider den Alltag prägt: Viele Praxen haben kaum eine Auswahl und stehen trotzdem vor der Entscheidung, ob sie jemanden einstellen, bei dem das Bauchgefühl nicht stimmt.

Die Runde war sich weitgehend einig, dass eine Einstellung aus der Not heraus selten hilft. Besonders intensiv wurde dabei auch über das Bauchgefühl gesprochen: Während einige Teilnehmende ihrer Intuition bei Einstellungsentscheidungen stark vertrauen, betonten andere, wie wichtig es ist, persönliche Sympathie von tatsächlichen Anforderungen an eine Position zu unterscheiden. Denn nicht alle Teammitglieder müssen gleich sein, um dieselben Werte zu teilen.

Auch die Bedeutung von Schnuppertagen, Mitarbeiterempfehlungen und einer strukturierten Einarbeitung wurde hervorgehoben. Gleichzeitig entwickelte sich die Diskussion zunehmend in Richtung Teamkultur und Führung: Wie geht man mit unterschiedlichen Generationen um? Wie schafft man Vertrauen? Und wie lässt sich Wertschätzung trotz eines stressigen Praxisalltags leben?

Einigkeit bestand vor allem darin, dass gute Teams nicht zufällig entstehen, sondern kontinuierliche Kommunikation, klare Werte und bewusste Führungsarbeit brauchen.

Zentrale Themen der Diskussion:

  • Team-Fit und gemeinsame Werte sind mindestens genauso wichtig wie fachliche Qualifikationen.
  • Schnuppertage ermöglichen beiden Seiten, den tatsächlichen Praxisalltag kennenzulernen.
  • Mitarbeiterempfehlungen können ein besonders wirkungsvoller Recruiting-Kanal sein.
  • Bauchgefühl ist hilfreich, sollte aber durch klare Auswahlkriterien und unterschiedliche Perspektiven ergänzt werden.
  • Ein starkes Team braucht nicht nur ähnliche Werte, sondern auch verschiedene Persönlichkeiten und Fähigkeiten.
  • Strukturierte Einarbeitung und regelmäßige Entwicklungsgespräche unterstützen eine langfristige Zusammenarbeit.
  • Unterschiedliche Generationen und Erwartungen an die Work-Life-Balance stellen neue Anforderungen an die Führung.
  • Ehrliche Wertschätzung und offene Kommunikation sind entscheidend für die Mitarbeiterbindung.
  • Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber können Führungsaufgaben organisatorisch delegieren, bleiben aber für die Teamkultur verantwortlich.

Key-Takeaways

1. Persönlichkeit und Werte zählen – nicht nur der Lebenslauf
Fachliches Wissen und praktische Fähigkeiten lassen sich entwickeln. Ob jemand die grundlegenden Werte einer Praxis teilt, ist dagegen oft schwieriger zu beeinflussen. Deshalb lohnt es sich, schon vor dem Recruiting festzulegen, wofür die eigene Praxis steht und welche Eigenschaften im Team besonders wichtig sind. Diese Werte sollten nicht nur in Stellenausschreibungen auftauchen, sondern auch im Alltag tatsächlich gelebt werden.

2.Schnuppertage zeigen mehr als Bewerbungsgespräche
Ein gut organisierter Schnuppertag hilft beiden Seiten, herauszufinden, ob die Zusammenarbeit funktionieren könnte. Bewährt haben sich eine feste Ansprechperson, Einblicke in unterschiedliche Arbeitsbereiche, der Austausch mit dem Team und ein abschließendes Feedbackgespräch. Gleichzeitig sollte berücksichtigt werden, dass einzelne Tage und erste Eindrücke täuschen können. Ein Schnuppertag ist deshalb eine wertvolle Entscheidungshilfe, aber keine Garantie für eine erfolgreiche Einstellung.

3. Bauchgefühl ist wichtig – Vielfalt aber genauso
Ein schlechtes Bauchgefühl ist ein wichtiges Signal. Hilfreich ist es, konkret aufzuschreiben, was gestört oder überzeugt hat. Gleichzeitig sollte geprüft werden, ob die Rolle vielleicht bewusst einen anderen Typ Mensch braucht, etwa am Empfang jemanden, der auch in hektischen Situationen souverän bleibt. Unterschiedliche Charaktere bringen nämlich unterschiedliche Stärken mit. Person, die auf den ersten Blick nicht dem bisherigen Team entspricht, kann genau die Fähigkeiten mitbringen, die an einer bestimmten Position fehlen. Entscheidend ist, persönliche Sympathie, gemeinsame Werte und konkrete Rollenanforderungen bewusst voneinander zu unterscheiden.

4. Das eigene Team ist ein wichtiger Recruiting-Kanal
Mitarbeitende kennen häufig Menschen, die fachlich und menschlich gut zur Praxis passen könnten. Empfehlungen aus dem eigenen Team wurden in der Diskussion als besonders erfolgreicher Weg zur Personalgewinnung beschrieben. Finanzielle Prämien können zusätzliche Anreize schaffen, sollten aber idealerweise an eine langfristige Zusammenarbeit geknüpft werden. Gleichzeitig lohnt es sich, das Team zu fragen, welche Formen der Anerkennung tatsächlich motivieren.

5. Mitarbeiterbindung beginnt mit der Einstellung
Ein erfolgreicher Start braucht mehr als eine kurze Einführung in die Praxisabläufe. Klare Erwartungen, strukturierte Einarbeitung und regelmäßige Gespräche helfen dabei, mögliche Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen. Gerade während der Probezeit sollten Führungskräfte aktiv nachfragen, Feedback geben und die Entwicklung neuer Teammitglieder begleiten. Denn eine falsche Einstellung kostet langfristig nicht nur Zeit und Geld, sondern beeinflusst auch die Stimmung im gesamten Team.

6. Wertschätzung muss im Alltag spürbar sein
Wertschätzung braucht nicht immer große Gesten, Bonuszahlungen oder aufwendige Teamevents. Oft reicht ein ehrliches, konkretes Lob nach einer gelungenen Behandlung oder ein persönliches Dankeschön am Ende eines anstrengenden Tages. Wichtig ist, dass Anerkennung regelmäßig, authentisch und individuell erfolgt. Denn Mitarbeitende haben unterschiedliche Bedürfnisse: Während sich manche über Lob freuen, wünschen sich andere beispielsweise mehr Flexibilität oder einen Ausgleich für zusätzliche Arbeit.

7. Gute Führung ist eine kontinuierliche Aufgabe
Teamkultur entsteht nicht allein durch die Einstellung passender Menschen. Unterschiedliche Generationen, Erwartungen und Arbeitsweisen müssen immer wieder miteinander in Einklang gebracht werden. Regelmäßige Teambesprechungen, Workshops und offene Feedbackmöglichkeiten schaffen dafür die Grundlage. Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber können sich durch organisatorische Unterstützung entlasten lassen, sollten die Verantwortung für Kommunikation, Wertschätzung und wichtige Personalentscheidungen jedoch nicht vollständig abgeben.

„Fachliches kann ich beibringen. Wie ein Mensch ist, kann ich kaum ändern. Deshalb lohnt es sich, bei der Auswahl genau hinzuschauen und danach dranzubleiben.“